Freitag, 7. August 2015

[Anholt] - 18 Tage Früh-Reha



In den letzten Wochen war ich zu einer Früh-Reha im Augustahospital Anholt.
Nahe der holländischen Grenze liegt eine der Kliniken für MS und Parkinson. 
Mein Neurologe meinte, dass es einmal Zeit sei, die Experten ranzuholen - und es waren die besten drei Wochen seit langem.
Neben Cortison-Therapie [Jipp, schon wieder, denn meine Beine sind seit der letzten Therapie noch nicht vollständig wiedergekehrt gewesen und mein Bauch war auch vollständig taub - manchmal auch wie ein Korsett.] gab es Krankengymnastik, Physiotherapie, Ergotherapie und Sozialberatung. 
Also kurzum: Einmal alles.
[Und WLAN, deswegen konnte ich auf den sozialen Medien auch aktiv bleiben und Kommentare beantworten, meinen Laptop hatte ich nicht dabei, sondern nur mein Handy - reichte ja völlig, oder habt ihr mich vermisst? Ich hoffe ja, dass zumindest aufgefallen ist, dass ich bei euch weniger kommentiert habe...]

Ausblick aus meinem Zimmerfenster
Wenn man das wuselige Treiben eines Krankenhauses kennt, ist man in Anholt erst einmal geschockt:
Unsagbare Ruhe.
Das Gebäude ist so konstruiert, dass sogar im Eingangsbereich bei mehreren Aufnahmen große Ruhe herrscht - die Anwesenheit von Nonnen tut ihr übriges.


Ausnahmslos alle Angestellten waren unheimlich nett und haben für ein unheimlich gutes Klima gesorgt. Eben nicht die "typische" Krankenhausatmosphäre, wo man sich schon als Besucher krank fühlt.
Und auch das Essen war wunderbar, neben zwei "normalen" Fleischgerichten [Also ich finde es ja nicht normal, jeden Tag Fleisch zu essen...] wurde immer noch ein vegetarisches Gericht angeboten, das ich meist gewählt habe. Sehr abwechslungsreich und richtig lecker.


Jeden Tag stand Programm an, teils in Gruppen, teils in Einzelsitzungen - und jeden Morgen freies Schwimmen im Bewegungsbad [nur für diejenigen, die allein wirklich schwimmen können].
Also: Nichts mit rumliegen und Bücher lesen!
Teilweise war der Zeitplan ganz schön straff und jeder, der nach dem Schwimmen schon einmal versucht hat, Kompressionsstrümpfe anzuziehen weiß, wieviel Sport das sein kann...

Am meisten beeindruckt hat mich ja die Ergotherapie:
Ich muss gestehen, ich hatte überhaupt keine Vorstellung davon, was das sein soll.
Und jetzt denke ich: Es ist das ganze alltägliche Leben.
Neben der Optimierung von Bewegungsabläufen und Hilfen für den Alltag, wurden Konzepte für den Umgang mit der Fatigue [Chronische Erschöpfung bei MS] erarbeitet und es gab auch eine Gruppe mit dem Training der Hirnleistung. Neben Spielen wurden hier verschiedene Aufmerksamkeitsübungen gelehrt.


Und was ist an Krankenhäusern am schlimmsten?
Die Mitinsassen, denen man sich nicht entziehen kann.
Nicht nur, die man menschlich nicht leiden kann [Ständige Miesepeter mit Stammtischparolen], sondern auch die Zimmernachbarin [durch viel Glück bin ich in einem Privatzimmer gelandet und hatte immer nur eine Nachbarin - welch ein Luxus!] oder die absoluten Egomanen, die die Atmosphäre eines ganzen Raums vernichten können.




Und sonst so?
Was man in einer solchen Klinik sieht: MS ist ein Miststück.
So viele unterschiedliche Patienten es gibt, so viele unterschiedliche Auswirkungen der MS gibt es. 
Teilweise sieht man es den Patienten kaum an, teilweise kann man kaum wegschauen.
Das fand ich doch sehr erschreckend, weil man nie weiß: 
Wie wird es bei mir weitergehen? Welche Einschränkungen werden noch kommen? Werden sich alle Schübe zurückbilden?