Montag, 29. Dezember 2014

Angst



Ein von Nebo Brimstone (@kunterdunkle) gepostetes Foto am


Nach einem längeren Studium der Broschüren...ist der Mut vergangen. 
Natürlich: Ernährungsumstellung und Sport ist ja in Angriff genommen worden und sind wohl die einzigen beiden Optionen, die wirklich von mir selbst beherrschbar sind.
Der Rest?
Verursacht so einen dicken Klos im Hals, das ich nur noch Weinen konnte. Nichts mit Stärke. Nichts mit Akzeptieren.
Nichts.
Auf der einen Seite wird viel geschrieben, wie positiv man den Krankheitsverlauf beeinflussen kann - auf der anderen Seite ist davon auszugehen, dass im Durchschnitt 30 Jahre nach Ausbruch eine rapide Verschlechterung eintritt. Eine Verschlechterung, die eine Zunahme der Behinderung bedeutet. Die auch "nur" eine Gehbehinderung sein kann. Eine Verschlechterung, die alles sein kann.
Die Krankheit mit den 1.000 Gesichtern.
Ich habe nur eines und das ist gerade mit Tränen überströmt, weil ich mich einfach so hilflos und allein fühle. Ich habe Angst. 
Richtige Angst.

Auf meinem Weg vorhin, habe ich in Gedanken schon an diesem Post geschrieben. Jetzt sitze ich hier - und die Worte wollen nicht wiederkommen. 
Ich habe mich in den Broschüren so fürchterlich wiedererkannt. So viele kleine Veränderungen, die ich unter einem persönlichen "Stell dich nicht so an! Du spinnst doch!" abgetan habe, machen auf einmal im Ganzen Sinn. Es ist erschreckend und verstörend. 

Eigentlich wollte ich von meinem lustigen Fall im Sportstudio erzählen, dass ich mich mit meinen tauben Füßen in einem Gerät verhakt habe und wie in Zeitlupe mit dem Gedanken "Vielleicht kannst du dich ja doch noch halten" - Rumms! - auf den Hintern fiel. Natürlich.
Oder dass ich morgen einen Ernährungsplan für die nächsten 5 Wochen bekomme, damit die Gewichtsreduktion Fahrt aufnimmt. 
Denn ich brauche Pläne und Vorgaben. 

Jetzt sitze ich hier und habe Angst.


Kommentare:

  1. :/ Möchte Dich in den Arm nehmen und fest drücken! Sonst weiß ich leider gar nicht viel zu sagen, außer: denk an Dich und wünsche Dir viel Kraft, Mut und Sonnenschein! *drückdich*

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    1. Weißt du, dass mir das schon wahnsinnig viel bedeutet?

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  2. Angst und Bange kann einem bei so einem mächtigen Gegner aber auch werden. Es ist unfair und grausam, denn wie du schon sagst, du weißt nicht, was kommen wird.
    Aber vielleicht kann das auch der Punkt sein, an dem du Halt findest? Du weißt nicht, was kommen wird. Es muss nicht der Worst Case sein...
    Meine Mama sagt immer "denk nicht hinein" - ich neige nämlich auch dazu. Immer das schlimmste Szenario ausmalen, immer mit dem Negativen rechnen. Ich bilde mir ein, mich dadurch zu wappnen. Aber in Wahrheit glaube ich, kann ein positiver Gedanke mindestens genauso wappnen. Das muss ich aber noch im Alltag lernen umzusetzen. Denn bislang halte ich solche Ideen für naiv. Aber ist es das wirklich? Oder ist es nicht einfach nur in Ordnung? Der Kampfgeist und der Lebenswille eines Menschen sind oft entscheidend, wie eine Krankheit verläuft. Das ist nichts medizinisches, nichts wissenschaftliches, nichts, dass gemessen werden kann. Das ist etwas, dass ebenfalls aus dir kommt, das DU beeinflussen kannst.

    Ich drück dich auch einmal ganz fest.

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    1. Es brach einfach alles über mir zusammen. Irgendwie habe ich mir vorher schon gedacht: Wird schon. Wird schon. Wird...vielleicht eben doch nicht. Das machte mir dann einfach zu sehr zu schaffen, denn ich bin ja auch so ein schrecklicher Grübler.

      Ich danke dir so sehr für deine Worte!

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  3. Fühl dich mal fest in den Arm genommen, ja?

    Ich glaube, es ist völlig normal, dass du erstmal Angst (und nur Angst) hast, wenn du so viel liest, was du vorher alles nicht wusstest. Niemand kann immer nur mutig und zuversichtlich sein. Verzweiflung und Panik sind finde ich die ganz natürliche Reaktion, wenn einem klar wird, was einem alles passieren kann.
    Aber so, wie ich dich einschätze, wirst du an diesem Punkt nicht stehen bleiben. Du kämpfst jetzt schon, und du kannst lauter kleine Siege ausfechten. Was auch immer kommen wird. Dein Leben ist nicht die Krankheit alleine.

    Pass auf dich auf, rede mit deinen Lieben über deine Angst und lass es erstmal so sein, wie es ist.
    Ich denk an dich!

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    1. Dankeschön für deine aufbauenden Worte.
      Ich brauchte jetzt auch erst einmal Zeit und habe bewusst nicht in diesen Blog geschaut - ich konnte einfach nicht. Nach zwei Tagen durchweinen bin ich inzwischen wieder...gefestigter. Ja, Ich werde mich gleich für die Veranstaltungen des dmsg anmelden und klammere mich an den Gedanken, dass in 30 Jahren Forschung noch viel passieren kann. Denn das ist ja der Vorteil an MS: Da so viele junge Menschen [und immer mehr] betroffen sind, wird in der Richtung auch viel geforscht.

      Ich bin eigentlich nicht so der ängstliche Typ und da wirft einen Angst und Dunkelheit doch irgendwie zurück. Dankeschön, ich danke dir so sehr, dass du da bist :)

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  4. Guten Morgen meine Liebe! Du solltest Dir mMn auch die schwachen Momente und Tiefpunkte zugestehen; Du und niemand überhaupt kann immer nur Stärke und Zuversicht zeigen in solch einer Situation. Du tust mit der Ernährung und dem Sport Dein Möglichstes, um alles günstig zu beeinflussen, den Rest wirst Du auch noch schaffen, denn auf die schwachen Zeiten werden auch wieder starke folgen, unterstützt durch die lieben Menschen an Deiner Seite und Deiner eigenen Kraft, die Du sammeln und bündeln musst wenn Du die Tiefpunkte überstanden hast und dann go for it! Immer positiv eingestellt bleiben, ich glaube fest daran, dass das die Heilung begünstigen kann.
    Alles Liebe und Gute und hoffentlich ein entspanntes Silvester für Dich!
    xo

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    1. Ja, das ist ja das verrückte: Eigentlich weiß man, dass es nun mal nicht immer Sonnenschein sein kann - und doch ist der Moment im Loch/ Dunkel so fürchterlich. Ich war auch einfach so allein in diesem Moment.
      Eure Worte helfen mir so sehr, ich habe manchmal auch einfach Angst [da ist es schon wieder!], dass ich zu viel darüber spreche/schreibe/denke.

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  5. *drüüüüüüüück* Nichts ist für immer, nicht die Angst, nicht die Tränen, nicht mal die MS - auch wenn das vielleicht ein morbider Gedanke ist, aber ich finde durchaus Trost darin, dass jedes Leid endlich ist, da jedes Leben endlich ist, und wir nie mehr leiden, als wir aushalten können, denn wenn es nicht mehr aushaltbar ist, kippt man halt um *g* Der Körper kümmert sich.

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    1. Ich finde, mein Körper ist eine Drecksau und könnte ruhig mal ein bisschen netter zu mir sein ;)
      Der endliche Gedanke...ist interessant.

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  6. Fühl dich ganz doll gedrückt!
    Gib dir etwas Zeit, dass ist nun nicht so einfach, dass alles zu verstehen und zu begreifen.
    Ich schicke dir Kraft!

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    1. Danke dir :) Ich möchte, dass das überstanden ist und Sicherheit herrscht - doch das wird wohl nichts und damit muss ich mich erst mal abfinden.

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  7. Angst ist ein ganz natürliches Gefühl...ohne Angst wären wir schneller ausgestorben als der Hominide bis drei hätte zählen können ;)
    Man darf Schwächen ruhig mal zulassen und man darf auch sauer, traurig und wütend sein!
    Wichtig ist nur, dass man danach wieder aufsteht, den Staub aus den Haaren schüttelt, und weitermacht...
    Ich finde es super, dass du Punkte wie Ernährung und Sport in Angriff nimmst. Da bist du schon mal schlauer als ich, die als junger Mensch mit dem Rauchen anfing, obwohl das bei meinem damaligen Gesundheitszustand das Dümmste war, das man machen konnte. Das war eine Art Trotzreaktion, frei nach dem Motto meine Atemwege sind eh hin, dann kann ich auch rauchen...Ja, ich weiß, sehr "erwachsen" ;) Mittlerweile bin ich schon lange Nichtraucherin und plane meinen ersten Halbmarathon - ich habe meine Kondition und die Leistung meiner Atemwege durch regelmäßiges Laufen und Intervalltraining enorm verbessern können,,,
    Zum Glück bist du schlauer, und kämpfst von Anfang an, anstatt aufzugeben...
    Alles kann, aber nichts muss bei dieser Krankheit- ich weiß, man hat gleich das schlimmste Kopfkino aller Zeiten, aber verlasse den Kinosaal schleunigst, denn die damit einhergehenden Ängste lähmen unter Umständen mehr als es diese Krankheit vermag...

    Fühle dich gedrückt und mach´ dich nicht verrückt (ein Reim musste sein, du kennst mich doch;))

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  8. Ich bin bei dir / wir sind bei dir. Ich/wir nehmen dich in den Arm und wir wiederholen uns, wenn wir sagen - wir sind immer für dich da. Wenn du mal reden magst/Hilfe brauchst/ Ablenkung benötigst usw. - du weißt, wo unser Haus wohnt und unsere Nummern haste auch meine Liebe.
    Ansonsten hör ich mich weiter um, ob ich Tipps für dich habe - alles wird gut und gemeinsam geht alles besser *bussi*

    CAT + Ringli

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  9. Hey... ich bin gerade über Zufall hierher gekommen und wollte Dir zum einen sagen, tief durchatmen! MS ist Mist. Natürlich ist es unglaublich erschreckend, wenn man anfängt nach zu lesen. Aber ich komme aus der Forschung, Freunde (teilweise auch in der Forschung) haben MS und es gibt trotz allem gute Ansätze das Ganze zu therapieren. Wenn Du magst, weil das hier zu lange wird und ich das auch hier teilweise nicht schreiben mag, kannst Du mir gerne schreiben und ich kann Dir da gerne mehr berichten :)

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